Archiv für den Monat: September 2015

Aktualisierte Empfehlungen zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe in der Schweiz, 2015

logoSwissnoso Empfehlungen zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe (AMP) wurden erstmalig im Jahr 2000 publiziert (1). Seither haben verschiedene Fachgesellschaften und Organisationen ihre AMP Richtlinien überarbeitet, insbesondere mit aktualisierten Empfehlungen für den Zeitpunkt der Verabreichung, die Wahl des Antibiotikums und dessen Dosierung (inkl. Gewichtsadaptierung), intraoperative Dosiswiederholungen und Dauer der Prophylaxe (2-6). Aus diesen Gründen ist auch eine Aktualisierung der Swissnoso Richtlinien angezeigt, die diese Erkenntnisse und Empfehlungen miteinschliesst.

Postoperative Wundinfektionen (SSI) sind eine wichtige Ursache von Morbidität, Mortalität und gesteigerten Gesundheitskosten. Die Kosten einer einzelnen SSI belaufen sich in der Schweiz auf zwischen 2’500 CHF (oberflächliche Infektionen der Inzision) und 40’000 CHF (Organ/Hohlrauminfektionen) in der Viszeralchirurgie, Gefässchirurgie und Traumatologie (7).

Verschiedene Faktoren haben einen Einfluss auf die SSI Rate, wie z.B. die Adhärenz zu den spitalhygienischen Standardmassnahmen, die Erfahrung und Technik des Chirurgen, die Eingriffsdauer, Umgebungsfaktoren im Spital und im Operationssaal, Instrumentensterilisation, Operationsvorbereitung (Hautantisepsis, Methode der Haarentfernung), peri- und postoperative Temperatur und Glucosekontrolle und die zugrundeliegenden Krankheitsfaktoren des Patienten (8). Patientenbezogene Faktoren mit erhöhtem SSI Risiko sind Altersextreme, Kachexie, Adipositas, Diabetes mellitus, Nikotinabusus, gleichzeitige Infektionen ausserhalb des Operationsgebiets, geschwächte Immunabwehr, kürzliche chirurgische Eingriffe, die Dauer der Hospitalisation vor Operation und die Kolonisation mit resistenten Mikroorganismen.

Obwohl die Wichtigkeit dieser Faktoren und deren Einfluss auf die SSI Raten offensichtlich ist, beschränken sich die folgenden Empfehlungen hauptsächlich auf den optimalen prophylaktischen Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.
Diese vorläufigen Empfehlungen dienen als Basis für das Swissnoso Surgical Site Infection Interventionsmodul. Schweizerische medizinische Fachgesellschaften, welche diese Empfehlungen betrifft, werden eingeladen, ihre Kommentare und Verbesserungsvorschläge einzureichen, welche dann in einer späteren, finalen Version synthetisiert und in der Folge als Konsensus-Richtlinien publiziert werden.

weiter Infos auf swissnoso.ch

Milchprodukte: Welchen Einfluss haben sie auf Entzündungen?

logo_suisseBern, 14.09.2015 – In einem internationalen Team und unter der Leitung von Agroscope wurde eine Studie über den Einfluss von Milchprodukten auf entzündliche Reaktionen im menschlichen Körper veröffentlicht. Das Fazit aus dieser Studie: Milchprodukte verfügen – entgegen hartnäckiger Vorurteile – über eine leicht entzündungshemmende Wirkung, und besonders Personen mit einem gestörten Stoffwechsel könnten von dieser Lebensmittelgruppe profitieren.

Milchprodukte werden regelmässig mit der Begründung negativ dargestellt, insofern, dass sie entzündliche Vorgänge und somit nicht übertragbare chronische Krankheiten im Menschen fördern und die Gesundheit schädigen können. Die Kluft zwischen diesen Aussagen und der verfügbaren wissenschaftlichen Studien ist gross! In der Vergangenheit wurde vielfach erforscht, welchen Einfluss Milch und Milchprodukte auf das Immunsystem des Menschen und im speziellen auf Entzündungsreaktionen haben; eine kritische Zusammenfassung der verschiedenen Ergebnisse fehlte allerdings – wegen uneinheitlicher Studien und aus Mangel an einer passenden Bewertungsmethode.

Eine kritische Evaluation
Ziel der von Agroscope geleiteten und in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Critical Reviews in Food Science and Nutrition“ veröffentlichten Studie war es, sich einen Überblick über durchgeführte Humanstudien zu verschaffen, die den Einfluss von Milchprodukten auf Entzündungsreaktionen im Menschen thematisierten. Diesbezüglich galt es herauszufinden, ob diese Milchprodukte entzündungshemmend oder entzündungsfördernd wirkten.

Entzündungshemmende Eigenschaften
Zusammengefasst weisen 52 Studien auf eine leicht entzündungshemmende Wirkung hin. Es konnte ausserdem gezeigt werden, dass Milchprodukte speziell bei Personen mit einem ungünstigen Stoffwechsel (z. B. Übergewichtige) entzündungshemmend wirken und bei Personen, die überempfindlich auf Milchprodukte reagieren (Milchallergie), entzündungsfördernd sind.

Zu diesen Ergebnissen kamen die Forschenden, indem sie einschlägige internationale Literaturdatenbanken durchsuchten. Insgesamt fanden sie 52 Studien mit 71 Studienresultaten, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Aufgrund dessen, dass es keine Methode gibt, die es ermöglicht, Resultate aus einer sehr unterschiedlichen Studienlandschaft korrekt zu beurteilen, entschlossen sich die Autoren dazu, eine Entzündungspunktzahl zu entwickeln. Diese ermöglicht es, alle Resultate mit Entzündungsparametern zusammenzufassen und gleichzeitig die Qualität der Studie zu berücksichtigen. Die Bewertungsmethode mittels Entzündungspunktzahl ergab schliesslich – sofern man nicht an einer Milchallergie leidet – einen leicht entzündungshemmenden Einfluss der Milchprodukte und vor allem Menschen mit einem eingeschränkten Stoffwechsel könnten von dieser Lebensmittelgruppe profitieren.

Diese Arbeit wurde im Rahmen der COST Action FA1005 INFOGEST “Improving Health Properties of Food by Sharing our Knowledge on the Digestive Process” veröffentlicht. Genauere Informationen finden sich in der Originalpublikation mit dem Titel: „Dairy Products and Inflammation: A Review of the Clinical Evidence“ unter folgendem Link: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10408398.2014.967385

„Quallenpflaster“ zur besseren Wundheilung

An den Technologiegesprächen von Alpbach standen selbstassemblierende Systeme im Mittelpunkt. Shuguang Zhang  stellte ein „Quallenpflaster“ zur besseren Wundheilung vor.

Das entwickelte Peptidmaterial ist ähnlilch aufgebaut wie der Körper einer Qualle. Das Material wird mit einer Spritze auf die Wunde aufgetragen. Die darin befindlichen Proteine knüpfen ein Netz, in das sorgar Wassermoleküle integriert werden. Eine Qualle gewinnt an Form mit ca. 5% festem Anteil und 95% Wasser. Mit sehr wenig Material wird so eine feste Struktur erreicht.  Das Prinzip der Selbstassemblierung ist sehr effizient.

Weitere Infos auf Englisch: mit.edu

VETIGEL – neues Konzept zur Blutstillung

Das von Joe Landolina entwickelte Gel hilft innere und äussere Blutungen sehr rasch zu stoppen. Das Gel aktiviert natürliche Gerinnungsprozesse des Blutes mit biokompatiblen Komponenten. Es baut diese an der Wundstelle auf durch Nachahmung der körpereigenen extrazellulären Matrix. Das beschleunigt die Produktion von Fibrin und der Blutfluss wird so rasch gestoppt. Das Medikament ist erst für die Veterinärmedizin in den USA zugelassen. Eine Zulassung für die Humanmedizien wird angestrebt.

Weitere Informationen: http://www.suneris.co/technology/