Archiv der Kategorie: aus der Forschung

Forschung, neue Produkete, Behandlungsmethoden

HBO bei diabetischem Fuss: Anhaltspunkt für Nutzen beim Wundverschluss

Wunden können mit zusätzlicher HBO besser heilen / Bei anderen Therapieaspekten aber keine Vorteile
Wenn Menschen mit einem sogenannten diabetischen Fußsyndrom zusätzlich zur konventionellen Behandlung eine Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) bekommen, kann das die Wundheilung begünstigen. Allerdings ist die Aussagesicherheit der verfügbaren Studienergebnisse eingeschränkt. Bei anderen für Patientinnen und Patienten maßgeblichen Therapieaspekten zeigen sie zudem weder Anhaltspunkte für einen Nutzen noch für einen Schaden. Zu diesem Ergebnis kommt der am 2. Juni 2016 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Diabetischer Fuß kann Amputation erfordern
Ist bei Menschen mit Diabetes mellitus der Blutzuckerspiegel über viele Jahre zu hoch, kann dies die Blutgefäße schädigen. Dadurch werden die Extremitäten, also Arme und Beine, nicht mehr ausreichend durchblutet und das Schmerzempfinden ist vermindert (Polyneuropathie). Kleinere Wunden, die bei Menschen mit Diabetes ohnehin schlecht heilen, werden deshalb häufig erst spät bemerkt. Das gilt vor allem dann, wenn sie, wie an den Füßen, schlecht sichtbar sind.

Kommt eine Infektion hinzu oder stirbt das Gewebe ab (Nekrose), kann es beim sogenannten diabetischen Fußsyndrom (DFS) im schlimmsten Fall sein, dass der Fuß ganz oder teilweise amputiert werden muss.

Zusätzlicher Sauerstoff soll Durchblutung des Gewebes verbessern
Eine HBO wird zusätzlich zur herkömmlichen Wundversorgung empfohlen, wenn alle Möglichkeiten, das Gewebe zu revaskularisieren, also wieder ausreichend mit Blut zu versorgen, gescheitert sind und eine Amputation droht.

Bei einer HBO sitzen die Patientinnen oder Patienten in einer speziellen Kammer und atmen dort unter erhöhtem Luftdruck meist reinen Sauerstoff ein. Dies soll das Blut mit Sauerstoff anreichern und eine bessere Sauerstoffversorgung auch des Wundgebiets fördern.

Ergebnissicherheit der meisten Studien gering
Insgesamt konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neun randomisierte kontrollierte Studien in ihre Bewertung einbeziehen. Allerdings sind darunter nur zwei Studien, die ein niedriges Verzerrungspotenzial haben und deren Ergebnisse deshalb mit größerer Sicherheit interpretiert werden können. Bei den übrigen fehlten in den Publikationen häufig genaue Angaben, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den jeweiligen Gruppen zugeteilt wurden, und die Studien waren meist nicht verblindet.

Studien schließen unterschiedliche Patienten ein
Hinzu kommt, dass die Studien sehr unterschiedliche Patientinnen und Patienten eingeschlossen hatten. Das betraf unter anderem die Schwere der Erkrankung. Aber auch in Hinblick auf den Auswertungszeitpunkt gab es zwischen den Studien zum Teil große Abweichungen. Dies könnten wesentliche Gründe dafür sein, dass die Ergebnisse der Studien bei einzelnen Therapieaspekten sehr heterogen waren – andere Ursachen lassen sich aber nicht ausschließen.
Maßgebliche Studien kommen zu diskrepanten Ergebnissen
Mit ausreichender Sicherheit interpretierbar sind die Ergebnisse zum Endpunkt Wundverschluss. Hier zeigt die Zusammenfassung der Daten einen Vorteil der HBO gegenüber der Kontrollgruppe. Denn im HBO-Arm war die Chance auf einen Wundverschluss fast doppelt so hoch wie im Vergleichsarm. Das IQWiG sieht deshalb hier einen Anhaltspunkt für einen Nutzen der HBO.

In ihrem Vorbericht waren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch von einem Beleg ausgegangen. In den Abschlussbericht konnten sie jedoch eine weitere Studie einbeziehen, die erst im Januar 2016 vollständig publiziert worden war. Nun gibt es zwar nicht nur eine, sondern zwei Studien mit niedrigem Verzerrungspotenzial. Allerdings kommen diese beiden Studien zu diskrepanten Ergebnissen beim Wundverschluss. Das IQWiG hat deshalb die Aussagesicherheit im Abschlussbericht von einem Beleg auf einen Anhaltspunkt herabgestuft.

Entweder keine Daten oder keine relevanten Gruppenunterschiede
Für keinen der übrigen patientenrelevanten Endpunkte gibt es einen Anhaltspunkt für einen Nutzen. Dafür gibt es zwei Gründe: Entweder die Studien enthielten keine Daten. Das trifft zu auf die Zielkriterien Schmerz, Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Abhängigkeit von Fremdhilfe oder Pflegebedürftigkeit.

Oder die einbezogenen Studien enthielten zwar verwertbare Daten, diese zeigen aber keine relevanten Unterschiede zwischen der herkömmlichen Therapie ohne HBO und der mit einer ergänzenden HBO. Das gilt nicht nur für die Zielkriterien Sterblichkeit, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Dauer des Klinikaufenthalts, sondern auch für die Notwendigkeit einer Amputation.

Kein Anhaltspunkt für einen Schaden
Zugleich gibt es aber auch keinen Anhaltspunkt für einen Schaden der zusätzlichen HBO in Form von unerwünschten Wirkungen. Insgesamt ist die Rate von Komplikationen in beiden Gruppen vergleichbar, weshalb die HBO als sicher gilt.

Zum Ablauf der Berichtserstellung
Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG im Mai 2015 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im April 2016 an den Auftraggeber versandt. Die eingereichten schriftlichen Stellungnahmen werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.
Weiterführende Informationen:

Neue Wundverbände für Brandwunden – Entwicklung der EPFL und Universitätspital Waadt

Die EPFL und das Centre hospitalier universitaire vaudois haben in Zusammenarbeit eine neue  Wundauflage entwickelt. Das spezielle an der Entwicklung ist, dass sie bei Brandopfern den Wundheilungsprozess beschleunigt und die Bildung von Bakterien behindert.

Das biologisch abbaubare Material mindert das Risiko einer Infektion bei Brandwunden in einem überaus grossen Mass.

Weitere Details zum Forschungsbeitrag finden sie unter: http://infoscience.epfl.ch/record/216996/files/ScientRep%28Philippe%29.pdf?version=1

live-dead-assayBild: EPFL

 

 

Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fusssyndrom: Vorbericht erschienen

Wunden schließen damit besser / Bei anderen Therapieaspekten aber keine Anhaltspunkte für Zusatznutzen / IQWiG bittet um Stellungnahmen

[IQWiG] Ob Menschen mit einem sogenannten diabetischen Fusssyndrom einen Vorteil davon haben, wenn sie zusätzlich zur konventionellen Behandlung eine Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) erhalten, ist derzeit Gegenstand einer Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Am 29. Dezember 2015 hat das IQWiG seine vorläufigen Ergebnisse publiziert.

Demnach gibt es einen Beleg, dass Wunden mit einer HBO besser schließen. Für andere patientenrelevante Endpunkte zeigt sich jedoch kein Zusatznutzen: Entweder es fehlen Daten oder sie zeigen keine relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Bis zum 28. Januar 2016 nimmt das IQWiG Stellungnahmen zu diesem Vorbericht entgegen.
Diabetischer Fuß kann Amputation erfordern

Ist bei Menschen mit Diabetes mellitus der Blutzuckerspiegel über viele Jahre zu hoch, kann dies die Blutgefäße schädigen. Dadurch werden die Extemitäten, also Arme und Beine, nicht mehr ausreichend durchblutet und das Schmerzempfinden ist vermindert (Polyneuropathie). Kleinere Wunden, die bei Menschen mit Diabetes ohnehin schlecht heilen, werden deshalb häufig erst spät bemerkt. Das gilt vor allem dann, wenn sie, wie an den Füßen schlecht sichtbar sind.

Kommt eine Infektion hinzu oder das Gewebe stirbt ab (Nekrose), kann es beim sogenannten diabetischen Fußsyndrom (DFS) im schlimmsten Fall sein, dass der Fuß ganz oder teilweise amputiert werden muss.

Zusätzlicher Sauerstoff soll Durchblutung des Gewebes verbessern

Eine HBO wird zusätzlich zur herkömmlichen Wundversorgung empfohlen, wenn alle Möglichkeiten, das Gewebe zu revaskularisieren, also wieder ausreichend mit Blut zu versorgen, gescheitert sind und eine Amputation droht.

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) sitzen die Patientinnen oder Patienten in einer speziellen Kammer und atmen dort unter erhöhtem Luftdruck meist reinen Sauerstoff ein. Dies soll das Blut mit Sauerstoff anreichern und eine bessere Durchblutung auch des Wundgebiets fördern.

Ergebnissicherheit der meisten Studien gering

Insgesamt konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler acht randomisierte kontrollierte Studien in ihre Bewertung einbeziehen. Allerdings ist darunter nur eine Studie, die ein niedriges Verzerrungspotenzial hat und deren Ergebnisse deshalb mit größerer Sicherheit interpretiert werden können. Bei den übrigen blieb häufig unklar, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den jeweiligen Gruppen zugeteilt wurden und die Studien waren meist nicht verblindet.

Studien schließen unterschiedliche Patienten ein

Hinzu kommt, dass die Studien sehr unterschiedliche Patientinnen und Patienten eingeschlossen hatten. Das betraf unter anderem die Schwere der Erkrankung. Aber auch in Hinblick auf den Auswertungszeitpunkt, gibt es zwischen den Studien zum Teil große Abweichungen. Dies könnten wesentliche Gründe dafür sein, dass die Ergebnisse der Studien bei einzelnen Therapieaspekten sehr heterogen waren – andere Ursachen lassen sich aber nicht ausschließen.

Wundverschluss: Beleg für Zusatznutzen

Mit ausreichender Sicherheit interpretierbar und – mit Ausnahme einer Studie – in die gleiche Richtung weisend sind die Ergebnisse zum Endpunkt Wundverschluss. Hier zeigt die Zusammenfassung der Daten  einen deutlichen Vorteil der HBO gegenüber der Kontrollgruppe. Denn im HBO-Arm war die Chance auf einen Wundverschluss fast 3-mal so hoch wie im Vergleichsarm. Das IQWiG sieht deshalb hier einen Beleg für einen Zusatznutzen der HBO.

Entweder keine Daten oder keine relevanten Gruppenunterschiede

Dagegen gibt es für keinen der übrigen patientenrelevanten Endpunkte einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Dafür gibt es zwei Gründe: Entweder die Studien enthielten keine Daten. Das gilt für die Zielkriterien Schmerz, dem Auftreten von Herzkreislauferkrankungen  sowie die Abhängigkeit von Fremdhilfe oder Pflegebedürftigkeit.

Oder die einbezogenen Studien enthielten zwar verwertbare Daten, diese zeigen aber keine relevanten Unterschiede zwischen der herkömmlichen Therapie und der ergänzenden HBO. Das trifft zu auf die Zielkriterien Sterblichkeit, Amputation, gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie Dauer des Klinikaufenthalts.

Kein Anhaltspunkt für größeren Schaden

Zugleich gibt es aber auch keinen Anhaltspunkt für einen größeren Schaden in Form von unerwünschten Wirkungen. Insgesamt liegt die Rate von Nebenwirkungen (u. a. Platzen des Trommelfells) bei unter zwei Prozent, weshalb die Therapie als sicher gilt.
Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Mai 2015 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im Juli 2015 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offen lassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen.

weitere Infos unter: www.iqwig.de

Ein Zucker bestimmt, wie Antikörper im Immunsystem wirken

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Antikörper sind Y-förmig gebaute Moleküle. Zuckerstrukturen (rot), die an das Antikörperprotein gekoppelt sind, spielen eine wichtige Rolle für die Funktion von Antikörpern. Das Vorhandensein von Sialinsäure an dem Zucker führt dazu, dass Antikörper weniger stark ihre Zielzellen angreifen und zerstören. (Bild: UZH)

Antikörper schützen vor Krankheiten – können jedoch bei Fehlreaktionen auch den eigenen Organismus schädigen. Forscher der Universität Zürich haben nun herausgefunden, dass ein bestimmter Zucker im Antikörper entscheidet, ob eine körpereigene Zelle zerstört wird oder nicht. Aus dieser Erkenntnis könnten sich neue Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen ergeben.

Das Immunsystem ist unser biologischer Abwehrschild. Antikörper schützen den Organismus vor eingedrungenen Krankheitserregern wie etwa Viren oder Bakterien. Bei einigen Autoimmunerkrankungen ist dieses Abwehrverhalten jedoch fehlgeleitet: Die Antikörper richten sich nicht nur gegen fremde Substanzen, sondern greifen auch körpereigene Zellen an. Nachdem die Antiköper Zellstrukturen an der Zelloberfläche gebunden haben, können diese spezifische Proteine, sogenannte Komplementfaktoren, aktivieren, die zur Schädigung der Zellmembran und damit zum Tod der Zelle führen.
Sialinsäure schützt vor körpereigenem Zelltod

Forschende unter der Leitung von Prof. Jan Lünemann vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich haben nun in einer Studie herausgefunden, dass eine bestimmte Zuckerstruktur im Antikörper eine entscheidende Rolle bei der durch Komplementfaktoren vermittelten Vernichtung des körpereigenen Gewebes spielt. Antikörper bestehen aus Protein und angekoppelten Zuckergruppen. In früheren Studien zeigte sich, dass im Immunsystem von Patienten mit Autoimmunerkrankungen Antikörper mit der Zuckerstruktur Sialinsäure seltener nachzuweisen sind als bei Gesunden.

«Tatsächlich konnten wir beobachten, dass es Patienten mit einer Autoimmunerkrankung gesundheitlich besser geht, je mehr Sialinsäure-tragende Antikörper sie im Blut haben», berichtet Isaak Quast, Doktorand in der Gruppe von Jan Lünemann und Hauptautor der Studie. Im Labor wurden unterschiedliche Varianten von Antikörper-gekoppelten Zuckerstrukturen hergestellt. «Wir konnten aufzeigen, dass Antikörper, die den Zucker Sialinsäure in sich tragen, nur sehr eingeschränkt körpereigene Zellen vernichten. Unsere Daten weisen darauf hin, dass die Kopplung von Sialinsäure an Antikörper eine mögliche Strategie in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen sein könnte», fasst Jan Lünemann zusammen.

Aktualisierte Empfehlungen zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe in der Schweiz, 2015

logoSwissnoso Empfehlungen zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe (AMP) wurden erstmalig im Jahr 2000 publiziert (1). Seither haben verschiedene Fachgesellschaften und Organisationen ihre AMP Richtlinien überarbeitet, insbesondere mit aktualisierten Empfehlungen für den Zeitpunkt der Verabreichung, die Wahl des Antibiotikums und dessen Dosierung (inkl. Gewichtsadaptierung), intraoperative Dosiswiederholungen und Dauer der Prophylaxe (2-6). Aus diesen Gründen ist auch eine Aktualisierung der Swissnoso Richtlinien angezeigt, die diese Erkenntnisse und Empfehlungen miteinschliesst.

Postoperative Wundinfektionen (SSI) sind eine wichtige Ursache von Morbidität, Mortalität und gesteigerten Gesundheitskosten. Die Kosten einer einzelnen SSI belaufen sich in der Schweiz auf zwischen 2’500 CHF (oberflächliche Infektionen der Inzision) und 40’000 CHF (Organ/Hohlrauminfektionen) in der Viszeralchirurgie, Gefässchirurgie und Traumatologie (7).

Verschiedene Faktoren haben einen Einfluss auf die SSI Rate, wie z.B. die Adhärenz zu den spitalhygienischen Standardmassnahmen, die Erfahrung und Technik des Chirurgen, die Eingriffsdauer, Umgebungsfaktoren im Spital und im Operationssaal, Instrumentensterilisation, Operationsvorbereitung (Hautantisepsis, Methode der Haarentfernung), peri- und postoperative Temperatur und Glucosekontrolle und die zugrundeliegenden Krankheitsfaktoren des Patienten (8). Patientenbezogene Faktoren mit erhöhtem SSI Risiko sind Altersextreme, Kachexie, Adipositas, Diabetes mellitus, Nikotinabusus, gleichzeitige Infektionen ausserhalb des Operationsgebiets, geschwächte Immunabwehr, kürzliche chirurgische Eingriffe, die Dauer der Hospitalisation vor Operation und die Kolonisation mit resistenten Mikroorganismen.

Obwohl die Wichtigkeit dieser Faktoren und deren Einfluss auf die SSI Raten offensichtlich ist, beschränken sich die folgenden Empfehlungen hauptsächlich auf den optimalen prophylaktischen Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.
Diese vorläufigen Empfehlungen dienen als Basis für das Swissnoso Surgical Site Infection Interventionsmodul. Schweizerische medizinische Fachgesellschaften, welche diese Empfehlungen betrifft, werden eingeladen, ihre Kommentare und Verbesserungsvorschläge einzureichen, welche dann in einer späteren, finalen Version synthetisiert und in der Folge als Konsensus-Richtlinien publiziert werden.

weiter Infos auf swissnoso.ch

Milchprodukte: Welchen Einfluss haben sie auf Entzündungen?

logo_suisseBern, 14.09.2015 – In einem internationalen Team und unter der Leitung von Agroscope wurde eine Studie über den Einfluss von Milchprodukten auf entzündliche Reaktionen im menschlichen Körper veröffentlicht. Das Fazit aus dieser Studie: Milchprodukte verfügen – entgegen hartnäckiger Vorurteile – über eine leicht entzündungshemmende Wirkung, und besonders Personen mit einem gestörten Stoffwechsel könnten von dieser Lebensmittelgruppe profitieren.

Milchprodukte werden regelmässig mit der Begründung negativ dargestellt, insofern, dass sie entzündliche Vorgänge und somit nicht übertragbare chronische Krankheiten im Menschen fördern und die Gesundheit schädigen können. Die Kluft zwischen diesen Aussagen und der verfügbaren wissenschaftlichen Studien ist gross! In der Vergangenheit wurde vielfach erforscht, welchen Einfluss Milch und Milchprodukte auf das Immunsystem des Menschen und im speziellen auf Entzündungsreaktionen haben; eine kritische Zusammenfassung der verschiedenen Ergebnisse fehlte allerdings – wegen uneinheitlicher Studien und aus Mangel an einer passenden Bewertungsmethode.

Eine kritische Evaluation
Ziel der von Agroscope geleiteten und in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Critical Reviews in Food Science and Nutrition“ veröffentlichten Studie war es, sich einen Überblick über durchgeführte Humanstudien zu verschaffen, die den Einfluss von Milchprodukten auf Entzündungsreaktionen im Menschen thematisierten. Diesbezüglich galt es herauszufinden, ob diese Milchprodukte entzündungshemmend oder entzündungsfördernd wirkten.

Entzündungshemmende Eigenschaften
Zusammengefasst weisen 52 Studien auf eine leicht entzündungshemmende Wirkung hin. Es konnte ausserdem gezeigt werden, dass Milchprodukte speziell bei Personen mit einem ungünstigen Stoffwechsel (z. B. Übergewichtige) entzündungshemmend wirken und bei Personen, die überempfindlich auf Milchprodukte reagieren (Milchallergie), entzündungsfördernd sind.

Zu diesen Ergebnissen kamen die Forschenden, indem sie einschlägige internationale Literaturdatenbanken durchsuchten. Insgesamt fanden sie 52 Studien mit 71 Studienresultaten, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Aufgrund dessen, dass es keine Methode gibt, die es ermöglicht, Resultate aus einer sehr unterschiedlichen Studienlandschaft korrekt zu beurteilen, entschlossen sich die Autoren dazu, eine Entzündungspunktzahl zu entwickeln. Diese ermöglicht es, alle Resultate mit Entzündungsparametern zusammenzufassen und gleichzeitig die Qualität der Studie zu berücksichtigen. Die Bewertungsmethode mittels Entzündungspunktzahl ergab schliesslich – sofern man nicht an einer Milchallergie leidet – einen leicht entzündungshemmenden Einfluss der Milchprodukte und vor allem Menschen mit einem eingeschränkten Stoffwechsel könnten von dieser Lebensmittelgruppe profitieren.

Diese Arbeit wurde im Rahmen der COST Action FA1005 INFOGEST “Improving Health Properties of Food by Sharing our Knowledge on the Digestive Process” veröffentlicht. Genauere Informationen finden sich in der Originalpublikation mit dem Titel: „Dairy Products and Inflammation: A Review of the Clinical Evidence“ unter folgendem Link: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10408398.2014.967385

„Quallenpflaster“ zur besseren Wundheilung

An den Technologiegesprächen von Alpbach standen selbstassemblierende Systeme im Mittelpunkt. Shuguang Zhang  stellte ein „Quallenpflaster“ zur besseren Wundheilung vor.

Das entwickelte Peptidmaterial ist ähnlilch aufgebaut wie der Körper einer Qualle. Das Material wird mit einer Spritze auf die Wunde aufgetragen. Die darin befindlichen Proteine knüpfen ein Netz, in das sorgar Wassermoleküle integriert werden. Eine Qualle gewinnt an Form mit ca. 5% festem Anteil und 95% Wasser. Mit sehr wenig Material wird so eine feste Struktur erreicht.  Das Prinzip der Selbstassemblierung ist sehr effizient.

Weitere Infos auf Englisch: mit.edu

VETIGEL – neues Konzept zur Blutstillung

Das von Joe Landolina entwickelte Gel hilft innere und äussere Blutungen sehr rasch zu stoppen. Das Gel aktiviert natürliche Gerinnungsprozesse des Blutes mit biokompatiblen Komponenten. Es baut diese an der Wundstelle auf durch Nachahmung der körpereigenen extrazellulären Matrix. Das beschleunigt die Produktion von Fibrin und der Blutfluss wird so rasch gestoppt. Das Medikament ist erst für die Veterinärmedizin in den USA zugelassen. Eine Zulassung für die Humanmedizien wird angestrebt.

Weitere Informationen: http://www.suneris.co/technology/

Nano Cellulosefasern und Silber fördern die Wundheilung bei Diabetes

Wundheilungsstörungen sind häufige Komplikation bei Diabetes mellitus. Oftmals sind damit offne Beine Begleiterscheinungen. Verschiedene Forscher des medizinischen Institutes der Alexandria Universität Ägypten verfolgen einen vielversprechenden Ansatz. In einem Forschungsprojekt wurde an Diabetik erkrankten Mäusen antibakterielle Nanofasern getestet. Elektronisch gewobene mit Silber-Ionen durchsetzte Cellulose Nanofasern dienten als Wundauflage. Mit dieser Technik konnte der Wundheilungsprozess bei den Mäusen erheblich beschleunigt werden. In der histopathologischen Untersuchung zeigte sich, dass die Konzentration der Silberionen ein entscheidender Faktor ist.

Weitere Informationen: http://www.inderscienceonline.com/doi/abs/10.1504/IJNP.2015.070346

Plasma lässt Wunden schneller heilen

Forschung Kompakt – Sonderausgabe 8.6.2015

Hauterkrankungen machen vielen Menschen zu schaffen. Ein häufiges Problem sind offene Wunden – vor allem ältere Menschen sind betroffen. Die neue medizintechnische Lösung PlasmaDerm setzt Plasma ein, damit die Verletzungen schneller heilen.

Preis Technik für Menschen 2015 PlasmaDerm - Therapie zur Behandlung von Hauterkrankungen Dr. Andreas Helmke, Dr. Dirk Wandke (Cinogy GmbH), Prof. Wolfgang Viöl und Prof. Steffen Emmert (Universitätsmedizin Göttingen) die Heilung von Wunden beschleunigen (v.l.n.r.).
Preis Technik für Menschen 2015
PlasmaDerm – Therapie zur Behandlung von Hauterkrankungen
Dr. Andreas Helmke, Dr. Dirk Wandke (Cinogy GmbH), Prof. Wolfgang Viöl und Prof. Steffen Emmert (Universitätsmedizin Göttingen) die Heilung von Wunden beschleunigen (v.l.n.r.). © Dirk Mahler/Fraunhofer

Hauterkrankungen gehören hierzulande zu den Volkskrankheiten. Neurodermitis, Schuppenflechte oder das sogenannte »offene Bein«, hervorgerufen durch Diabetes oder Krampfadern, verursachen bei Patientinnen und Patienten oft jahrelange Leiden. Dem Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig ist es in Kooperation mit dem Unternehmen Cinogy und der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen gelungen, die neuartige Medizintechniklösung PlasmaDerm zur Therapie von Wunden und Hautkrankheiten zu entwickeln. Plasma, unmittelbar auf der Haut erzeugt, fördert dabei die Wundheilung.

»Es ruft so ein kaum spürbares leichtes Kribbeln auf der Haut hervor«, erklärt Prof. Wolfgang Viöl vom IST, während er mit einem Apparat in Form und Größe einer Taschenlampe in kleinen Kreisbewegungen über seinen Handrücken fährt. An der Spitze des Apparats, den er nur knapp über der Haut hält, sieht man einen unscheinbaren lila Nebel: Plasma – ein ionisiertes Gas.

Das Neue an PlasmaDerm: Ein Team aus Medizinern, Biologen, Physikern und Ingenieuren entwickelte ein Gerät, das erstmals nicht-thermisches, also »kaltes« Plasma bei atmosphärischem Druck direkt auf der Haut erzeugt. Beim patentierten Verfahren wird die Elektrode der Apparatur nahe an die Haut herangeführt. Die Haut wirkt elektrisch als Gegenelektrode. Werden Hochspannungspulse aktiviert, wandeln elektrische Felder die Luft zwischen Elektrode und Haut in nicht-thermisches Plasma.
PlasmaDerm wirkt schmerzfrei und sicher

Da »kaltes« Plasma bisher nicht am Menschen angewandt wurde, kam dem IST die zentrale Aufgabe zu, die Verfahrenssicherheit zu bewerten. »Wir haben eine Risiko-Nutzen-Analyse durchgeführt. Die Auswertung aller chemischen und physikalischen Parameter lassen den Schluss zu, dass es keine Bedenken gibt, das Plasma am Menschen einzusetzen«, erläutert Dr. Andreas Helmke das Vorgehen am IST.

Antiseptische Wirkung und eine verbesserte Wundheilung konnten im Rahmen einer klinischen Studie von Prof. Steffen Emmert an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen nachgewiesen werden. Den größten Vorteil der Anwendung sieht Prof. Emmert darin, »dass nicht-thermisches Plasma die Mechanismen verschiedener Therapien vereint. Es gibt bereits UV-, Ozon- oder Elektrotherapien. Durch Plasma erreichen wir jedoch eine bessere Wirkung in kürzerer Zeit.« Plasma reduziert die Zahl von Keimen auf der Oberfläche der Haut und erhöht durch das elektrische Feld gleichzeitig die Mikrozirkulation der Haut, wodurch sie besser mit Sauerstoff versorgt wird. Dies sind entscheidende Faktoren zur besseren Heilung von Wunden.

Um die Anwendung flexibel einzusetzen, war es notwendig, ein tragbares Gerät zu entwickeln. Dies gelang in Kooperation mit Cinogy. »Wir mussten einen Apparat entwickeln, der klein ist, aber hohe Spannungen erzeugt. Das Ergebnis ist nun nur etwa so groß wie ein Laptop und kann über eine normale Steckdose mit 100 bis 230 Volt betrieben werden«, beschreibt Dr. Dirk Wandke, Geschäftsführer bei Cinogy, die größte Herausforderung. Mittlerweile wird PlasmaDerm europaweit vertrieben.

Mit PlasmaDerm verbindet Prof. Viöl eine Vision. »Wenn ein Kind mit dem Skateboard stürzt, dann stell ich mir vor, dass die Mutter die Wunde in Zukunft zuhause mit einem kleinen PlasmaDerm-Stick behandelt und nicht mehr mit Jod. Oder, dass das Gerät selbst misst, was mit der erkrankten Haut nicht in Ordnung ist, um anschließend die Dosis einzustellen und die physikalische Therapie zu starten.«

Für die Entwicklung von PlasmaDerm erhalten Prof. Wolfgang Viöl, Dr. Andreas Helmke, Prof. Steffen Emmert und Dr. Dirk Wandke den Fraunhofer-Preis Technik für den Menschen.

Weiter Informationen, Links zu Audio und Videobeiträgen [frauenhofer.de]